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»Gedanken für den Tag«
Gott wird helfen müssen
Zum Rabbi Meir kam ein Dorfjude mit Namen Seinwel. Er war kinderlos, obwohl schon zehn Jahre verheiratet. Immer wieder drängte er den Rabbi, dass er für ihn Kinder erflehen möchte. Einmal kam er mit seiner Frau. "Wir werden euch", rief die redegewandte Frau, "keine Ruhe lassen, bis ihr uns mit einem Kind segnet." Der Rabbi erwiderte: "Gebt mir den Zahlenwert des Wortes ‚Ben’, also 52 Dukaten, so werde ich für euch einen Sohn erflehen." Der arme Jude fing an zu handeln. Er kön

Axel Kühner
28. Feb.
Helau oder Halleluja
Die Ursprünge des Karnevals gehen auf die Fruchtbarkeitsriten der antiken Völker zurück. Griechen und Römer huldigten dem Gott des Weines. In Rom beging man im Januar die Saturnalien. Ein Mann aus dem Volk wurde zum König gewählt und mit großem Prunk führte er die Prozession an. Auf Wagen wurden Bilder der Götter, nackte Statuen und leichte Mädchen mitgeführt. Gemeine Zoten und hässliche Lieder schallten durch die Straßen. Römische Bürger brachten ihre Frauen und Töchter für

Axel Kühner
27. Feb.
Gelobt sei der Herr!
Gelobt sei der Herr für raue Wege. Sie haben manchen Fuß vor dem Ausgleiten bewahrt und den Schritten einen festen Halt gegeben. Gelobt sei der Herr für raue Winde. Sie haben manches Lebensschiff heimgeweht, das sonst ins eigene Verderben gesegelt wäre. Gelobt sei der Herr für raue Worte. Sie haben manche Augen für die Wahrheit geöffnet und Herzen für die Liebe empfänglich gemacht. Gelobt sei der Herr für raue Wasser. Sie haben den Dreck von der Seele gespült und manches Lebe

Axel Kühner
26. Feb.
Vertrauen gegen die Angst
Ein Kind liegt abends im Bett. Es kann nicht einschlafen und bekommt plötzlich Angst. Das Alleinsein im Dunkel der Nacht lässt das Kind vor Angst nach seinen Eltern schreien. Die Eltern können im Kinderzimmer Licht machen und nun das Kind allein lassen. Sie können aber auch im Dunkeln bei dem Kind bleiben und es durch ihre Gegenwart beruhigen. So wird das Kind Vertrauen fassen und die Angst überwinden. Vertrauen ist keine eigene Kraftleistung gegen die Schwäche der Angst, son

Axel Kühner
25. Feb.
Kopf und Herz
Es war einmal ein Salatkopf. Er war kein Einzelkind, sondern im Freibeet der Gärtnerei unter der guten Hand seines Gärtners mit vielen Geschwistern herangewachsen. Hier war kein Platz für Sonderstellungen. Jeder hatte gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Trotzdem war unser Salatkopf anders. Er war sozusagen das "schwarze Schaf" der Familie, obwohl er keineswegs extrem über die Schnur schlug. Er neigte nur dazu, den Mund etwas zu voll zu nehmen. Er prahlte mit seiner Größe, d

Axel Kühner
24. Feb.
Was ist in mich gefahren?
Der Mensch ist wie ein Handschuh. Einmal ist er aus feinem, wertvollem Leder, ein Handschuh zur Zierde, dann aus dickem, weichem Fell, einer zum Wärmen. Ein andermal ist er ein grober Handschuh für harte Bauarbeit, dann ein praktischer Gummihandschuh für flinke Hausarbeit. Einmal vielleicht ein zierlicher, weißer Brauthandschuh für den Höhepunkt des Lebens. Dann wieder mehr ein riesiger Boxhandschuh für den rauen Existenzkampf. Ein anderes Mal ist er ein steriler Operationsha

Axel Kühner
23. Feb.
"Ja, aber du auch!"
Sophie und Hans Scholl wurden wegen ihres Widerstands gegen das Hitlerregime zum Tode verurteilt und am 22. Februar 1943 hingerichtet. Ihre Schwester berichtet von einem letzten Besuch der Eltern: "Meinen Eltern war es wie durch ein Wunder gelungen, ihre Kinder noch einmal zu besuchen. Sie wussten noch nicht, dass es endgültig die letzte Stunde ihrer Kinder war. Zuerst wurde ihnen Hans zugeführt. Darauf wurde Sophie von einer Wachtmeisterin herbeigeführt. Sie trug ihre eigene

Axel Kühner
22. Feb.
Gabe und Aufgabe
Ein älterer Herr, schon im Metallzeitalter - Silber im Haar, Gold im Mund und Blei in den Knien -, versucht vergeblich, mit seinem großen Auto in eine kleine Parklücke zu gelangen. Er probiert es vorwärts, dann rückwärts. Aber der Wagen ist zu groß, die Lücke zu klein. Da kommt ein junger Kerl mit einem schneidigen Sportwagen, saust in die Lücke, steigt aus und sagt zu dem alten Herrn: "Jung und flott muss man sein!" Im älteren Herrn beginnt es zu kochen. Er steigt in seinen

Axel Kühner
21. Feb.
Vergeben oder Vergelten
Vor Jahren gab es einen Film mit dem Titel "Gott vergibt - Django nie!" Vergeben wird hier als schwach und weich verächtlich gemacht. Vergelten wird als stark und hart verherrlicht. Dumm und weichlich soll das barmherzige Vergeben sein. Klug und knallhart soll das unnachsichtige Vergelten sein. Aber geht es dabei nur um weich oder hart, um schwach oder stark? Das Wort Rache stammt aus dem Bereich der Jagd und meint soviel wie treiben, jagen und verfolgen. Das Wort Recke erinn

Axel Kühner
20. Feb.
Kein Raum für Rache
"Wenn wir uns mal streiten", erzählt ein Mann seinem Freund, "wird meine Frau immer gleich historisch." - "Du meinst hysterisch", wirft der Freund ein. "Nein, historisch", sagt der Ehemann, ‚sie hält mir jeden Fehler, jede Lieblosigkeit, jedes falsche Wort aus zehn Jahren Ehe vor!" Wo Menschen miteinander leben in Ehe, Familie, Nachbarschaft und Gemeinde, werden sie auch aneinander schuldig. Gerade in der Liebe werden Menschen verletzlich und verletzt. Es gibt keine Ehe, kein

Axel Kühner
19. Feb.
Trübe Tage
Sagen und Entsagen
Reden und Raten, aber auch Schweigen und Ruhen sind wichtig. Haben und Handeln, aber auch Verzichten und Lassen sind nötig. Nur in der Spannung von Sagen und Entsagen kann sich das Leben ereignen. Es gibt so viel zu tun und zu sagen. Berge von Schuld müssen abgetragen und tiefe Täler aus Angst müssen mit Zuversicht aufgefüllt werden. Wunden wollen verbunden und Kränkungen geheilt sein. Es gibt so viel zu reden im Großen und zu raten im Kleinen. Aber das Schweigen und Entsagen

Axel Kühner
vor 13 Stunden
Innen und Außen
Im Wohnzimmer tickt unsere alte Wanduhr gemütlich vor sich hin. Sie ist ruhig und in Bewegung zugleich. Ihr Pendel bewegt sich gleichmäßig und stetig. Die Zeiger rücken in Ruhe immer weiter. Die Uhr wirkt wie eine tiefe Ruhe und eine ständige Bewegung zugleich. Aber zu ihrer äußeren Bewegung gehört eine innere Spannung. Wenn die Uhr nicht aufgezogen und die Feder nicht gespannt ist, kann das Pendel nicht lange in Bewegung bleiben. Wenn man dann das Pendel von außen anstößt, s

Axel Kühner
vor 2 Tagen
Einsamkeit als Chance
Gott und Mensch sind voneinander und zueinander hin gemacht. Mann und Frau sind voneinander genommen und aufeinander bezogen. Mutter und Kind sind auseinander und füreinander geworden. Diese Trennungen und zugleich Beziehungen machen die Einsamkeit und die Sehnsucht nach Einswerden. In der Einsamkeit liegt die Chance zum wieder Eins- und Ganzwerden verborgen. Die Geburt ist die erste Erfahrung der Einsamkeit. Aber nur durch diese Erfahrung kann ein Mensch zum Leben, zu sich s

Axel Kühner
vor 3 Tagen
Leben ist Einsamsein
Ein einzigartiges Leben ist immer auch ein einsames Leben. Zu der Einmaligkeit des Menschen gehört auch seine Einsamkeit. Weil wir einzig sind, sind wir auch einzeln. Ein Same wird ausgebracht, und durch die Schmerzen der "Einsamkeit" wird vielfältige Frucht eingebracht. Das ist die Fülle und die Freude des Lebens. Die fruchtbare Einsamkeit ist also die, ein ganzer Mensch zu sein, der ausgesät wird und Frucht des Lebens bringt. Die furchtbare Einsamkeit ist die, als Same erha

Axel Kühner
vor 4 Tagen
Ein Stab, ein Mantel und eine Muschel
Alle Menschen sind Wanderer, und jedes Leben ist eine Reise. "Fare well", sagen sich Menschen und meinen damit beides: Lebewohl und reise gut. So ist unser ganzes Leben eine Wallfahrt, ein feierliches Gehen (Wallen) zu einem erhabenen Ziel. Wir sind hier auf Erden nur Gäste und Pilger. Der Patron aller Pilger auf Erden ist Jakobus. Er soll einer Legende nach bis Spanien gereist sein und dort als Pilger umhergezogen sein. Über seinem Grab baute man später das berühmte Wallfahr

Axel Kühner
vor 5 Tagen
Loslassen und Gewinnen
Eine Krähe erbeutete einst ein großes Stück Fleisch und erhob sich damit in den Himmel. Zwanzig andere Krähen flogen ihr nach, um sie zu verfolgen. Gierig und erbittert griffen sie die Krähe an, um ihr den leckeren Bissen zu entreißen. Schließlich ließ die Krähe das Fleischstück fallen. Darauf ließen die anderen Krähen von ihrer Verfolgung ab und flogen schreiend dem Fleischstück nach. Da krächzte die Krähe zu sich selbst: "Nun ist es friedlich und ruhig hier oben. Der ganze

Axel Kühner
vor 6 Tagen
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