top of page
»Gedanken für den Tag«
Das erste und das letzte Wort
Wenn alles ausgeredet ausgerechnet Kalkuliert und spekuliert Wenn alles tausendfach erklärt Bewiesen Aufgesagt und abgeschrieben Widerrufen Neu behauptet Festgestellt und festgelegt und Festgesetzt Und dementiert und falsch betont Hinausposaunt Manipuliert und propagiert und wahrgesagt Hundertprozentig prophezeit Dokumentiert und illustriert Korrigiert Und vorgeworfen nachgeworfen Zugerufen Fest versprochen Ehrenwort und Wortgefecht Nachgeredet überredet Eingetrichtert inhali

Axel Kühner
31. Okt. 2025
Gebet eines älter werdenden Menschen
Herr, du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter werde - und eines Tages alt. Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen. Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen. Lehre mich, nachdenklich - aber nicht grüblerisch, hilfreich - aber nicht diktatorisch zu sein. Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir oft schade, sie nicht weiterzugeben. Aber du ve

Axel Kühner
30. Okt. 2025
Anderen vertrauen?
Ein Einbrecher ist in eine Villa eingedrungen. Als er den Tresor gefunden hat, packt er sein Werkzeug aus, um den Geldschrank aufzubrechen. Da liest er auf einem kleinen Zettel an der Tür: "Wenn Sie diesen Tresor knacken wollen, wenden Sie bitte keine Gewalt an und zerstören die Tür. Der Safe ist nicht verschlossen. Sie brauchen nur den Griff nach links zu drehen!" In dem Augenblick, in dem der Einbrecher den Griff nach links dreht, fällt ihm ein Sandsack auf den Kopf, grelle

Axel Kühner
29. Okt. 2025
Ein jedes Ding
"Ein jedes Ding hat seinen Engel und seinen Teufel!" lautet eine alte Weisheit. Und sie meint, dass alle Werte des Lebens, ob Leib und Sinnlichkeit, Welt und Natur, Schätze und Reichtümer, etwas vom Glanz Gottes und der Verderbtheit der Welt widerspiegeln. Alles Schöne, Edle, Zauberhafte und Wertvolle kann Engel und Teufel zugleich sein. Denken wir an das Edelste, das Gold, so empfinden wir den Reichtum, das Schöne und Betörende, aber auch das Elend und den Zerbruch, Mord und

Axel Kühner
28. Okt. 2025
Vor dem König
"Ich habe Seiner Majestät immer wichtige Ratschläge gegeben", begann leise der Minister für Inneres, als es mit dem König zu Ende ging. "Ich habe Seiner Majestät stets die Akten vorgelegt", sagte der Minister für Äußeres nach kurzem Schweigen. "Ich habe Seiner Majestät die Speisen zubereitet", meinte der Hofkoch etwas verlegen. "Ich habe Seiner Majestät die Kleider genäht", wieselte der Hofschneider um die großen Herren herum. "Ich habe Seiner Majestät die Wunden behandel

Axel Kühner
27. Okt. 2025
Wo das Glück blüht
"Das Glück, kein Reiter kann's erjagen, es ist nicht dort, es ist nicht hier; lern überwinden und entsagen, und ungeahnt erblüht es dir!" (Johann Wolfgang Goethe) Das Glück kommt nicht Knall auf Fall und auch nicht erzwungen oder ertrotzt, das Glück kommt auf leisen Sohlen und blüht in Gärten des Vertrauens und Erwartens, der Sanftmut und Barmherzigkeit, des Friedens und der Gerechtigkeit. In Leiden und Bedürftigkeit, in Überwinden und Entsagen wird es als reife Frucht geern

Axel Kühner
25. Okt. 2025
Die Legende von der blauen Krähe
Auf weiter Steppe stand einsam die Pinie, verlassen, traurig, allein. Und Tag um Tag gab es niemand, der da war, um sie zu erfreun. Niemand, mit dem sie beim Mondenschein träumte, der mit ihr beim Abendrot sang. Kein Lebewesen zu sehn weit und breit, kein Ohr für ihr einsames Klagen. Doch dann, eines Tages, geschah es: Eine blaue Krähe ward müde. Der Schwarm war gen Süden geflogen. Auf der Pinie, da ruhte sie aus: "Du hast mir das Leben gerettet!" Sie piepst es dem Baum dankb

Axel Kühner
24. Okt. 2025
Wohin
Wohin gelangen Menschen, die meinen Spuren folgen? In die Irre, in den Stress, in die Langeweile, in das Vergnügen, in den Rausch, in die Besessenheit, in das Selbstmitleid, in den Dschungel der Lügen oder in den Sumpf der Sünde? Wohin kommen Menschen, die mir heute nachgehen? In die Ehrlichkeit, in das Leben, Hoffen und Vertrauen, in die Treue und Verlässlichkeit, in die Freude und Gelassenheit, in den Ernst und die Sorgfalt, in die Liebe und Zartheit, in die Festigkeit und

Axel Kühner
23. Okt. 2025
Jung und alt
"Du bist so jung wie deine Zuversicht. Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt, sie ist ein Geisteszustand. Sie ist Schwung des Willens, Regsamkeit der Phantasie, Stärke der Gefühle, Sieg des Mutes über die Feigheit, Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit. Niemand wird alt, weil er eine Anzahl Jahre hinter sich gebracht hat. Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt. Mit den Jahren runzelt die Haut, mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele. Sor

Axel Kühner
22. Okt. 2025
Enttäuscht
Voller Freude läuft der Vater in das Kinderzimmer. "Mein Junge", ruft er mit strahlendem Gesicht, "ein Engelchen ist hier gewesen und hat ein wunderschönes Baby in Muttis Bett gelegt. Willst du dir das süße Baby einmal ansehen?" Der Junge hebt nur gelangweilt den Kopf: "Babys habe ich schon oft gesehen. Das ist doch nichts Besonderes. Aber das Engelchen hätte ich mir zu gerne mal angesehen, wenn du mir vorher Bescheid gesagt hättest." Ein Mann wird gelobt nach seiner Klughei

Axel Kühner
21. Okt. 2025
Trübe Tage
Alles ist in Bewegung
Wir kommen woher und gehen wohin. Wir treten aus dem Raum der Vergangenheit, huschen über den schmalen Flur der Gegenwart und gelangen in das Zimmer einer dunklen Zukunft. Alles ist in Bewegung. Die Erde unter uns dreht sich. Die Wolken über uns ziehen weiter. Die Menschen neben uns hasten voran. Die Fragen in uns halten uns auf Trab. Die Wissenschaft bringt uns immer neue Möglichkeiten. Alles ist in Bewegung. Die Zeiger an der Uhr drehen sich. Kalenderblätter wechseln. Jahre

Axel Kühner
vor 10 Stunden
Ich habe es satt
Herr, ich habe es satt, den Hals zu verdrehen und jedem Trugbild nachzugaffen. Ich drehe mich nicht mehr um. Geradeaus sehe ich und schweige. Ich gönne meinem Nacken Ruhe. Denn mein Nacken ist müde vom ewigen Drehen und Wenden. Mache mich zu einem Menschen, der geradeaus geht, dass ich nur auf deinen Weg schaue, den Weg, den du zeigst. Meine Ohren sind müde vom Lärm der Züge und Autos, müde vom Nachhall der Worte, vom Kopfweh kommender Tage, sehr, sehr müde und beinahe ertöte

Axel Kühner
vor 1 Tag
Nur Noten oder auch Musik?
Es war einmal ein Mann, der sammelte Noten. Alle Regale seines Zimmers waren angefüllt mit den Noten wunderbarer Musikstücke. Alles Geld gab der Mann aus, um immer mehr und noch wertvollere alte Notenausgaben zu erwerben. Er sortierte sie sorgfältig ein und freute sich an seiner wachsenden, kostbaren Sammlung. Einse Tages klingelte ein Durchreisender an seiner Tür. Er war etwas heruntergekommen und stellte sich als "Bruder Tippel" von der Landstraße vor. Der Mann führte seine

Axel Kühner
vor 2 Tagen
Menschenkind nochmal!
Gott hat ein Land erschlossen für seine Menschenkinder. Es ist von Wahrheit und Liebe umgeben und hat einen wunderbaren Namen: Jesus. Er ist die ganze Wahrheit Gottes über das Leben und die restlose Liebe Gottes zum Leben in einem. Die Wahrheit Jesu deckt das Leben auf, entbirgt alle Not und Last, macht die tiefe Verlorenheit offenbar. Die Liebe Jesu deckt Sünden zu, birgt verwundete Herzen und schenkt eine tiefe Lebensbeziehung zu Gott. Jesus will Menschenkinder mit seiner W

Axel Kühner
vor 3 Tagen
Menschenkind
Mit Wehen zum Leben geboren, mit Liebe gestillt, mit Hoffnung herangewachsen, auf Freude gewartet: wertvoll das Menschenkind, aber auch verletzlich, liebenswert und zerbrechlich zugleich. Kostbar das Leben und gefährdet, zauberhaft und abgründig in einem. Leben kann gelingen und scheitern, aufblühen und welken, erfüllt werden und in tausend Scherben zerspringen. Menschenkind, mit beiden Beinen auf der Erde und mit allen Träumen im Himmel. Aufgewiegelt und abgewrackt, eingelul

Axel Kühner
vor 4 Tagen
Das Leben ist nicht einfach
Die Angst vor dem Weniger und die Gier nach dem Mehr zerreiben wie zwei schwere Mühlsteine die Seele. Menschen sind um das Glück besorgt und von der Sorge zerfressen, sie sind in Hast und Hetze zu Arbeitstieren verkommen oder von Unlust gelähmt. In der Wüste von Stress und Langeweile bedroht, von Rebellion aufgebracht und von Resignation niedergedrückt. Leichtfertig die einen, schwermütig die anderen. Die Sehnsucht erkrankt an Fernweh und Heimweh zugleich. Menschen suchen das

Axel Kühner
vor 5 Tagen
bottom of page

