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»Gedanken für den Tag«

Das Land der tausend Farben

  • Autorenbild: Axel Kühner
    Axel Kühner
  • 16. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

"Ja, glaubt mir", sagte die alte Frau und nickte mit dem Kopf. "Ich bin weit herumgekommen in der Welt! Menschen und Länder habe ich gesehen, so seltsam, dass ihr mir nicht glauben würdet, wenn ich euch davon erzählte. Nehmt zum Beispiel die Leute im Land der 1000 Farben." "Dieses Land ist wunderschön. Wälder erglühen in allen Farben, Seen schimmern smaragdgrün, Meere wie Aquamarin, Blumen leuchten in den Farben des Feuers oder schimmern weiß wie frisch gefallener Schnee. Doch obwohl alles in den schönsten Farben erstrahlt, kennen die Menschen in diesem Land nur Grau. Wie das möglich ist? Nun, alle Bewohner des 1000-Farben-Landes tragen von Kind an eine dunkle Brille. Ihr denkt jetzt wahrscheinlich, dass diese Menschen keine Farben mögen. Falsch! Jeder von ihnen verzehrt sich nach Farbe und Licht. Viele gibt es, die Jahre damit zubringen, über das Wesen der Farbe zu philosophieren. Einige bemalen ihre Brille, aber auch das lässt sie alles wieder nur einfarbig sehen. Natürlich habe ich ihnen gesagt: ‚Setzt eure Brillen ab! Sie versperren euch den Blick, anstatt ihn zu erweitern! Sie nehmen euch die Farbe!’ Aber die meisten wollten, dass ich ihnen die Farben zuerst erkläre, dass ich beweise, dass Blätter wirklich grün und Sonnenblumen gelb sind. Wie sollte ich ihnen aber, die nur grau kennen, grün, gelb, rot, violett erklären und beweisen? Nur wenige haben den Mut gefunden, den Versuch zu wagen und die Brille abzusetzen. Zuerst mussten ihre Augen sich natürlich an all das Neue gewöhnen, doch inzwischen nehmen sie die Schönheit wahr, die ihnen bis jetzt verborgen blieb. Aber es sind noch zu viele, die sich selbst die Farben vorenthalten." Zuerst herrschte Stille, dann war ein leises Lachen zu hören. Die alte Frau wandte den Kopf. "Warum lachst du?", fragte sie. "Warum? Die Leute sind wirklich dumm! Da kann man doch nur lachen!", sagte der große, blonde Mann und rückte die dunkle Brille auf seiner Nase zurecht. Sie war ein wenig ins Rutschen gekommen. (Karin Ackermann) Meine Augen sehnen sich nach deinem Heil und nach dem Wort deiner Gerechtigkeit! Psalm 119,123

Axel Kühner "Eine gute Minute, 365 Impulse zum Leben" © 1994 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 11. Auflage 2015 /

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages

 
 
 
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