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»Gedanken für den Tag«

Die Legende von den Worten

  • Autorenbild: Axel Kühner
    Axel Kühner
  • 11. Nov.
  • 2 Min. Lesezeit

Es hat Gott in jedes Herz ein gewisses Wort gelegt, das für diesen bestimmten Menschen gut und heilsam und erlösend wäre, wenn er es in der rechten Stunde brauchte. Einmal in seiner Jugend liebt er ein Mädchen, es mag Hanna heißen. Er spricht mit ihr beim Kirchgang und führt sie zum Tanz, weil ihre Augen so brennen und weil sie so schwer auf seiner Schulter liegt. Der Mann hat tausend schöne Worte für das Mädchen, "immer" sagt er und "ewig" und "lass den Riegel offen" - unzählbar viele schöne Worte, aber das eine ist nicht darunter. Dann hat er also endlich seinen Willen, und auch das Unglück kommt früh genug. Aber der Mann ist schon wieder weit fort um diese Zeit. Nun müsste er eigentlich umkehren, das Mädchen wartet ja auf ihn in ihrer Schande. Und er tut es auch wirklich, kommt zurück und bleibt eine Weile und würgt an dem Wort. Vielleicht liebt er die Frau schon gar nicht mehr so sehr. Oder doch, er liebt sie. Steht an der Tür, wendet sein Herz um und um, kann nicht, nein, kann das Wort nicht finden, er geht wieder. Der Mann läuft nun weiter in der Welt umher, so ein kluger Kopf, er hat die Worte schockweise auf der Zunge. Wir sind alle kluge Köpfe, sogar das Pulver haben wir erfunden, aber das schreckt den Teufel nicht. Der Mann hat Freunde und verliert sie nach und nach. Er hat andere Frauen, auch sie verlassen ihn, und zuletzt ist der Mann ganz einsam, sein Bart wird lang und grau, so einsam ist er. Eines Tages aber trifft ihn ein Brief unterwegs, trifft ihn wie ein Pfeil in die Kehle. Es stehen nur ein paar dürftige Worte auf dem verwischten Blatt -"Hättest du", steht da, "nur ein einziges Mal." Und jetzt weiß also der Mann plötzlich sein Wort, es brennt ihm auf der Lippe, er rennt um sein Leben, um das Leben seiner Seele. Kniet hin und gräbt den frischen Hügel auf, schreit es hundertmal, sein "Verzeih mir!". Nichts, es ist zu spät. (Karl Heinrich Waggerl) "Bekennet also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist!" (Jakobus 5,16)

Axel Kühner "Zuversicht für jeden Tag" © 2002 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 7. Auflage 2017 / Mit freundlicher Genehmigung des Verlages

 
 
 
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