top of page

»Gedanken für den Tag«

  • AutorenbildAxel Kühner

Die fromme Kuh

Einmal hatte ein frommer Mann eine Kuh, die ihm beim Pflügen half. Aber er verarmte und sah sich gezwungen, sie einem Heiden zu verkaufen. Der Heide pflügte mit ihr sechs Wochentage. Als er sie aber am Schabbath aufs Feld führte, um mit ihr zu pflügen, legte sie sich auf die Erde nieder und wollte keine Arbeit verrichten. Da ging er hin und schlug sie. Aber sie rührte sich nicht von der Stelle. Als der Heide dies sah, ging er zu jenem Frommen und sagte ihm: "Komm und nimm deine Kuh. Sechs Tage habe ich mit ihr gearbeitet. Am Schabbath führte ich sie hinaus; und sie legte sich zur Erde. Sie weigert sich, irgendeine Arbeit zu verrichten. Sosehr ich sie auch schlug, sie rührte sich nicht von ihrer Stelle." Als der Heide so sprach, verstand der Jude, warum die Kuh keine Arbeit verrichten wollte: weil sie gewöhnt war, am Schabbath zu ruhen. Da sagte der Fromme zum Heiden: "Komm, ich werde sie aufrichten, und sie wird pflügen." Als sie zu ihr ankamen, flüsterte er ihr ins Ohr: "O Kuh, o Kuh! Solange du in meinem Besitz warst, konntest du am Schabbath ruhen. Aber jetzt haben es meine Sünden verursacht, dass ich dich diesem Nichtjuden verkaufen musste. Ich bitte dich daher, stehe auf und verrichte den Willen deines Herrn." Sofort erhob sich die Kuh und war bereit zu arbeiten. Da sagte der Heide zum Juden: "Ich werde dir keine Ruhe lassen, bis du mir sagst, was du ihr getan und was du ihr ins Ohr geflüstert hast. Vielleicht hast du sie verhext?" Da erzählte ihm der Fromme: "Das und das habe ich gesagt." Als der Heide das hörte, erschrak er und ließ es sich durch den Sinn gehen. "Wenn dieses Geschöpf, das kein Sprech- und Wissensvermögen hat, seinen Schöpfer kennt, muss denn nicht auch ich, den Gott zu seinem Ebenbild geschaffen hat und ihm Sinn und Verstand gegeben hat, meinen Schöpfer anerkennen?" Sofort ging er hin, wurde Proselyt, lernte eifrig die Thora und bekam den Namen: "Rabbi Jochanan Kuhsohn." (Ein jüdisches Märchen) Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt's nicht, und mein Volk versteht's nicht! Jesaja 1,3

 

Axel Kühner "Hoffen wir das Beste"

© 1997 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 9. Auflage 2016

Mit freundlicher Genehmigung des Verlage


33 Ansichten0 Kommentare

Silvester - ein Tag voller Möglichkeiten

Mutter und Vater für alle ihre kleinen und großen Mühen danken. Kinder und Schwiegerkinder mit einem besonderen Gruß erfreuen. Einem einsamen Menschen etwas Zeit und Nähe schenken mit guten Worten und

Zuspruch am Ende des Jahres

Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt. Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod doch ein in Gottes Gnade trotz aller unsrer

Was ist das für eine Nacht?

Selma Lagerlöf erzählt in einer ihrer Legenden von der Nacht, in der das Jesuskind geboren wird. Josef geht über das Feld, um Feuer bei den Hirten zu holen. Er kommt zu einem Mann, dessen Herz durch e

Comments


Gedanken für den Tag

bottom of page