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»Gedanken für den Tag«

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  • AutorenbildAxel Kühner

In einer kleinen Stadt lebt eine Mutter zusammen mit ihrer Tochter. Sie teilen sich den mühsamen und bescheidenen Alltag und auch die Unruhe der Nacht. Denn beide schlafwandeln zu bestimmten Zeiten. Eines Nachts, als die Leute der Stadt alle schliefen, trafen sich Mutter und Tochter schlafwandelnd in ihrem Garten hinter dem Haus. Die Mutter wandelte auf die Tochter zu und sprach: "Endlich habe ich dich, du Feindin meines Lebens. Du hast meine Jugend zerstört, und auf den Trümmern meines Lebens wirst du groß und blüht dein Leben auf. Ich könnte dich umbringen!" Und die Tochter wandelte auf die Mutter zu und rief: "Verhaßtes Weib, du selbstsüchtige Alte. Du stehst meiner Freiheit und Entfaltung im Weg. Immer soll ich nur ein Echo deines Lebens sein. Ich wünschte, du wärest tot!" In diesem Moment krähte der Hahn, und beide Frauen erwachten, fanden sich im Garten, rieben sich verwundert die Augen, und voller Sanftmut fragte die Mutter: "Bist du es, mein Herzchen?" Und die Tochter antwortete milde: "Ja, geliebte Mutter!" "Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege." (Psalm 139,23f)

 

Axel Kühner "Hoffen wir das Beste"

© 1997 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 9. Auflage 2016

Mit freundlicher Genehmigung des Verlage


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