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  • AutorenbildAxel Kühner

Traurige Wanka oder Flamme für Gott

"Zur nächtlichen Stunde unterhalten sich die Blumen hinter dem Fensterchen der Großmutter. Bis der Morgen kommt, haben sich die Blumen immer viel zu erzählen. Schnell vergehen die Stunden. Eine aber ist still und in sich gekehrt und macht ein trauriges Gesicht. Noch nie hat sie jemand blühen sehen, noch nie hat sie jemand reden hören. Schweigend nur schaut sie durch die Fensterscheiben in die dunklen Augen der Nacht und weint. Dann aber eines Nachts, als es wieder still geworden ist im Haus, wendet sich die traurige Blume an die Begonie neben sich und fragt: ‚Weißt du eigentlich, wer ich bin?’ ‚Natürlich, du bist die traurige Wanka!’ - ‚So nennt mich die Großmutter wegen meiner Tränen. Aber niemand von euch weiß, warum ich weine, und niemand kennt meinen richtigen Namen. Ich heiße Flämmchen!’ ‚Ein seltsamer Name’, meint die Begonie. ‚Flämmchen?! Aber du brennst doch nie und blühst auch nicht’ ‚Das ist ja mein Unglück, dass mich Großmutter nicht blühen lässt. Denn wenn ich ausgeblüht habe, muss ich sterben. Schneidet aber jemand meine Blütenknospen ab, dass sie sich nicht öffnen können zur Blüte, dann kann ich lange leben. Darum wacht Großmutter darüber, dass sich meine Blütenknospen nicht öffnen, und schneidet sie ab. Aber diesmal hat sie eine übersehen, ich habe sie versteckt, und morgens, da wird sie blühen.’ ‚Nein, du darfst nicht blühen’, sagt die Begonie ängstlich. ‚In deiner Blüte lauert der Tod!’ ‚Ich konnte einfach nicht anders. Was ist das für ein Leben, wenn man nicht blühen darf? Aber morgen werde ich blühen, und ihr sollt sehen, warum man mich Flämmchen nennt.’ Am Morgen, als die Sonne aufgeht, hat die traurige Wanka eine Blüte."


Was ist das für ein Leben, wenn ich nur da sein, aber nicht blühen darf? Ein bedrückendes Bild: auf der Fensterbank des Lebens stehen, irgend eine Funktion wahrnehmen, vielleicht sogar geschätzt sein, aber fortwährend daran gehindert werden, aufzublühen und richtig zu leben. Gott will nicht, dass wir eine traurige Wanka sind und unser Leben so dahingeht. Wir sollen aufblühen für ihn und Frucht bringen aus der Blüte. Unser Name ist Flamme. Jesus möchte uns mit seiner Liebe anzünden und zu einer hellen Flamme seiner Hoffnung machen. Die Welt sagt: "Nein, in der Blüte lauert der Tod!" Gott sagt: "Ja, in der Blüte wohnt die Frucht!" Lassen wir uns also von niemandem daran hindern, für Gott aufzublühen und für ihn zu brennen.


Jesus sagt: "Ich bin gekommen, dass ich ein Feuer anzünde auf Erden!"

(Lukas 12,49)

 

Axel Kühner "Überlebensgeschichten für jeden Tag"

 © 1991 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 21. Auflage 2018

 Mit freundlicher Genehmigung des Verlages


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