»Gedanken für den Tag«

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  • Axel Kühner

Mutterhände

Es war einmal eine arme Schneiderfamilie mit vielen Kindern. Hans, der Älteste, sollte in die Welt hinausziehen, um selbst seinen Unterhalt zu verdienen. Beim Abschied streichelte ihn die Mutter mit ihren abgearbeiteten Händen, die rau und rissig von all den Mühen waren. Hans schloss sich auf seiner Wanderung zwei Prinzen an und wurde ihr Diener. Sie kamen in eine Stadt, in der die Leute erzählten, der König des Landes wolle dem seine hübsche Tochter zur Frau geben, der eine Probe bestehe. Aber schon viele hatten vergeblich versucht, die Aufgabe zu erfüllen. Sofort meldeten sich die Prinzen beim König, und Hans ging auch mit ihnen. Sie kamen in einen herrlichen Saal des Schlosses. Aus einer Wand streckten sich ihnen drei Händepaare entgegen. Der König stellte sich daneben und fragte: "Welche dieser Hände dünken euch am verehrungswürdigsten?" Die Prinzen dachten nur an die schöne Prinzessin und fühlten die Hände. Der eine Prinz wählte die zartesten der Hände aus, der zweite die am reichsten geschmückten Hände. Der König forderte auch Hans auf. Er fühlte und sah die Hände und dachte bei dem dritten Paar, die abgearbeitet und rau waren, an seine Mutter. Er sagte: "König, diese Hände erinnern mich an meine gute Mutter, sie sind am verehrungswürdigsten!" Nun kamen die drei Frauen hinter der Wand hervor. Die Frau mit den rissigen Händen war die Mutter des Königs, und sie sagte zu Hans: "Du hast dich nicht von Schönheit und Reichtum verlocken lassen. Dein Herz ist gut, darum verdienst du meine Enkelin als Frau - und den Reichtum dazu." Da wurden auch die Eltern und Geschwister herbeigeholt, und alle freuten sich über das glückliche Paar.


Lass deinen Vater und deine Mutter sich freuen und fröhlich sein, die dich geboren hat!

Sprüche 23,25

 

Axel Kühner "Eine gute Minute, 365 Impulse zum Leben" © 1994 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 11. Auflage 2015 /

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages


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