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Die Schnecke

Langsam geht die Schnecke, fast lautlos, aber beharrlich und stetig. Sie kriecht an der Spitze der Bedächtigen. Sie überstürzt nichts. Zeit ihres Lebens hat sie Zeit zum Leben. Die Schnecke ist der stille Protest gegen den Gott der Geschwindigkeit, gegen alle Hektik und Hast, gegen den viel zu schnellen Fortschritt.

Die Ruhe der Schnecke ist niemals Faulheit oder Bequemlichkeit, sondern Ausdruck von Bedacht und Besinnung. Die Schnecke ist langsam, klein und weich. Und gerade das ist heute in unserer Gesellschaft nicht gefragt. Schnelligkeit, Größe und Härte sind in. Darum sagen wir, wenn wir jemand klein gemacht, überholt oder zum Rückzug gezwungen haben, dass wir ihn, "zur Schnecke gemacht" haben.

Doch von der Schnecke könnten wir Eiligen und Gierigen eine ganz neue Gangart lernen. Wir haben zwar die Geschwindigkeit ins Atemberaubende gesteigert, aber darüber den Atem des Lebens und die Zeit zum Leben verloren. Wir sind schnell fortgeschritten und haben die Mitte des Lebens aus den Augen verloren. Die andere Art der Schnecke hat fünf Gänge, die wir wieder lernen könnten:

- Gemach, gemach - langsamer werden.

- Dran bleiben - beharrlich sein.

- Besinnen vor Beginnen - bedächtig gehen.

- Die Fühler ausstrecken - empfindlich werden.

-. Unterwegs und immer zu Haus - behaust sein.


Durch Stille und Hoffen würdet ihr stark sein. Aber ihr wollt nicht und sprecht: Nein, auf Rossen wollen wir dahinfliegen!

Jesaja 30,15f

 

Axel Kühner "Eine gute Minute, 365 Impulse zum Leben" © 1994 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 11. Auflage 2015 /

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages


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